Spessartgrotte - Das Theater in Mainfranken

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Pressestimmen



Männer sind arme Schweine
Theater Spessartgrotte überzeugt mit der Tragikkomödie "Männerhort"


von Günter Roth am 22.05.2017

Mit dem Stück "Männerhort" von Kristof Magnusson zeigt die "Spessartgrotte" in Langenprozelten nach "Mann über Bord" und "Höchste Zeit" einmal mehr eine Gender-Komödie. An den Problemen der vier Herren in der Midlife-Crisis kann man sich wunderbar ergötzen oder auch darüber nachdenken. Regie führt Helga Hartmann.
Im stillgelegten Heizungskeller einer Shopping-Mall finden der Pilot Helmut, der Software-Entwickler Eroll und die "Führungskraft" Lars an jedem Samstag einen Zufluchtsort. Wenn ihre Ehefrauen in den Geschäften darüber beim Einkaufen den Großkampftag genießen, können sie nur hinterher trotten und beim späteren Umtausch in der Schlange stehen. Für den Baumarkt oder die Elektronikabteilung bleibt kaum Zeit. In der Unterwelt aber genießen sie bei Dosenbier, Zigaretten und Sportschau den Rest des Tages.
Als der Brandschutzbeauftragte Mario das Refugium entdeckt, droht die Vertreibung aus dem Paradies. Doch Mario hat Verständnis für diese Selbsthilfegruppe - schließlich ergeht es ihm nicht anders.
Männer sind Schweine? Dann aber arme Schweine! Die Botschaft ist von vorneherein klar, "Männerhort" spielt in erster Linie zur Freude des Publikums schamlos mit allen gängigen Klischees und Vorurteilen. Das beginnt schon mit dem pfiffigen Bühnenbild: Dosenbier allenthalben, Pizzakartons und Pin-up-Girls an der Wand, in der Mitte ein Sofa und der tragbare Fernseher.
Herrlich platte Abziehbilder
Auch die vier unterschiedlichen Männertypen entsprechen herrlich platten Abziehbildern. Obwohl sie wenig ernsthafte Gespräche führen, sondern meistens nur voreinander posen und gockeln, ist "alles Lambada". Eine scheinbare Stärke, die Stück für Stück bröckelt, als einer nach dem anderen zu Hause rausfliegt und die vier im Keller völlig aufeinander angewiesen sind.
Die Tragikomödie "Männerhort" wechselt geschickt mit coolen Sprüchen, versteckter Philosophie und der verzweifelten Suche nach dem wahren Sinn. Da ist der Gag von der Ehefrau, die mit Selbstmord im Douglas-Brunnen droht, ein Fetzen Erkenntnis: "Frauen brauchen keine Hobbys, weil Frauen ein Innenleben haben, mit dem sie sich beschäftigen können, wenn ihnen langweilig ist. Und das geht am besten beim Einkaufen!" Über allem aber steht die Grundfrage: "Was wollen Frauen wirklich?" Statt sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen, denn die Vier haben ja in Wirklichkeit keinen echten Gegenentwurf zu diesem Leben, bleiben nur leere Sprüche.
Die kleine, intime Bühne der Spessartgrotte ist wie gemacht für diese Komödie, man erlebt das Stück nicht nur körperlich hautnah, sondern ist förmlich in die Handlung eingebunden. Besonders werden die Ehefrauen der vier Männer so perfekt und plastisch beschrieben, dass man als Zuschauer glaubt, sie sofort zu erkennen, wenn sie durch die Schiebetür treten.
Das ist vor allem das Verdienst der vier Protagonisten. Michael Schäfer spielt überzeugend den Piloten, der ständig Dosennippel zu einer Kette zusammenlötet und selbstsicher verkündet: "Da muss man eben durch!" Letztendlich muss er aber eine Kündigung verdauen. Die "Führungskraft" Lars (Johannes Schedl) sieht sich gern als Frauenversteher mit vielen Affären, bis er einsehen muss, "es besteht die Gefahr, dass man aneinander vorbei schläft". Paul Seeger gibt in köstlicher Manier den Software-Entwickler und Loser Eroll auf der ständigen Suche nach Anerkennung.
Authentisches Spiel
Der beste Mann in der Truppe aber ist eine Frau: Katja Hufgard mimt den Feuerwehrmann Mario authentisch, mal kernig und kräftig, mal nachdenklich weich auf der verzweifelten Suche nach der Liebe und spricht am Ende den wohl wichtigsten Satz des Stückes. Als die Herren nach einer Rauferei den verwüsteten Keller mit ihrem Leben vergleichen, sagt Mario: "So soll es in mir aber nicht aussehen!"








Im Heizungskeller-Paradies
Premiere:
Boulevardkomödie »Männerhort« in der Spessartgrotte in Langenprozelten
Stück unter Regie von Helga Hartmann lebt von Klischees

von Michaela Schneider am 22.05.2017

Ja, vie­le Män­ner ha­ben es nicht leicht mit ih­rer Her­zal­ler­liebs­ten. Schuh­ver­käu­fer und Par­füm­pröb­chen, Fruchts­ha­kes und Se­sam­stäb­chen. Und dann kommt da auch noch das kom­p­li­zier­te In­nen­le­ben der Frau­en hin­zu. Kri­s­tof Mag­nus­sons Bou­le­vard­ko­mö­d­ie »Männ­er­hort« lebt von ziem­lich al­len Män­n­er­k­li­schees, die man sich vor­s­tel­len kann. Zu se­hen ist das Stück in der Spess­art­grot­te im Ge­mün­de­ner Orts­teil Lan­gen­pro­zel­ten. Regie führt Helga Hartmann.
Das vierköpfige Bühnenteam beweist ein Händchen für rasante Dialoge und die Situationskomik der urkomischen Ereignisse im Heizungskeller eines Einkaufscenters.
Die samstäglichen Shoppingtouren seiner Frau Connie bringen Software-Entwickler Eroll (Paul Seeger) an seine Grenzen. Und nicht nur ihn. Deshalb hat Pilot Helmut (Michel Schäfer) vor geraumer Zeit den ungenutzten Heizungskeller im Shoppingcenter in einen Hobbyraum für echte Männer umfunktioniert - mit Bier und Pizza, nackten Frauen an den Wänden, mit einem Fernseher. Als dritter im Bunde flüchtet sich Führungskraft und Womanizer Lars (Johannes Schedl) Samstag für Samstag in die Katakomben.
Dann platzt Feuerwehrmann und Brandschutzbeauftragter Mario (Katja Hufgard) in das Männerparadies. Er müsste die Jungs auffliegen lassen, hat aber viel zu viel Verständnis für ihre Nöte. Er präsentiert seine Formel-1-Formel, mit der er Freundin Marion in nur einer Stunde durchs Einkaufszentrum schleusen will. Jetzt nimmt das Schicksal des Beziehungsirrsinns seinen Lauf. Regisseurin Helga Hartmann reichert die Boulevardkomödie um eine gut dossierte Portion witzig-verrückter Einfälle an. Nur ein Beispiel: Als Gefahr droht, dass die Frauen den Heizungskeller entdecken, gewinnt der Wahnsinn die Überhand. Nein, das ist kein Kindergarten, das ist Geschlechterkampf! Die Männer wollen sich verbarrikadieren und zerstören in wilder Verzweiflung das Idyll - in Zeitlupe, zu blinkendem Licht und der Melodie »Spiel mir das Lied vom Tod«. Der neue Flachbildschirm fliegt im Schleichtempo und die Männer verzerren die Gesichter in Slow Motion.
Raffinierter Einfall
Der raffinierteste Regiereinfall allerdings ist ein anderer: Helmut, Eroll, Lars und Mario charakterisieren in der Boulevardkomödie vier sehr konträre Männertypen. Der männlichste von ihnen ist der ganz schön prollige und nicht allzu clevere Feuerwehrmann Mario. Dass Helga Hartmann diese Rolle mit Katja Hufgard besetzt, ist großartig. Die nämlich kann besser grölen und schnarchen, als jeder Kerl. Dass sich später Mario als Frau verkleidet, um die Frauen des Heizungskellerteams zu belauschen, setzt dem Bühnenirrsinn das Sahnehäubchen auf. Hufgards kleine Texthänger bei der Premiere sind wohl der Aufregung geschuldet und man verzeiht sie bei so viel Schauspielleidenschaft.
Die Komödie »Männerhort« des deutsch-isländischen Autors Kristof Magnusson macht in der Spessartgrotten-Variante sehr viel Spaß. Und dass sich in Klischees eben doch viel Wahrheit spiegelt, bringt ein Zuschauer auf den Punkt: So viele Heizungskeller wie verzweifelte Männer könne es doch gar nicht geben, mutmaßen die Männer auf der Bühne. »Habt Ihr eine Ahnung«, murmelt ein Zuschauer fürs Publikum hörbar - und hat damit den wohl schönsten Gag des Abends platziert.


 


Spessartgrotte | Leitung: Helga Hartmann | Mainuferstr. 4 | 97737 Gemünden-Langenprozelten | Tel: 0 93 51 / 34 15 |


Spessartgrotte
Mainuferstraße 4 | 97737 Gemünden-Langenprozelten | Tel.: 0 93 51 / 34 15 |