Spessartgrotte - Das Theater in Mainfranken

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Pressestimmen



von Michaela Schneider vom 11.10.2017

Das wichtigste fürs Gehirn ist die Freude

Theater:
Spessartgrotte Langenprozelten zeigt die Tragikomödie »Honig im Kopf« - Theo Gündling überzeugt als an Alzheimer erkrankter Opa

»Es fühlt sich an wie Ho­nig im Kopf. So ver­k­lebt«, er­klärt Aman­dus Ro­sen­bach sei­ner En­ke­lin Til­da. Er lei­det an Alz­hei­mer, die Krank­heit sch­rei­tet stän­dig fort, lässt ihn ver­ges­sen, lässt ihn ko­mi­sche Din­ge tun. En­de 2014 fei­er­te die Tra­gi­ko­mö­d­ie »Ho­nig im Kopf« von Til Schwei­ger mit Die­ter Hal­ler­vor­den in der Hauptrol­le Ki­no­er­fol­ge.
Jetzt ist die Bühnenfassung in einer Bearbeitung von René Heinersdorff in der Spessartgrotte in Langenprozelten bei Gemünden (Main-Spessart-Kreis) zu sehen. Regie führt Helga Hartmann. Das Stück bietet zwar komische Momente, zeigt jedoch gleichzeitig einfühlsam, was die Krankheit Alzheimer für Patienten und deren Angehörige bedeutet.
Amandus (Theo Gündling) schneidet die Hecke nicht um, sondern auf zehn Zentimeter. Er pinkelt nachts in den Kühlschrank und steckt statt eines Kuchens die Schuhe seiner Schwiegertochter in den Ofen. Das Zusammenleben mit dem Opa gestaltet sich für seinen Sohn Niko (Michel Schäfer) und dessen Frau Sarah (Iris Katzer) zunehmend schwierig, zumal es in der Ehe kriselt. Nur Enkelin Tilda (Nadine Karbacher) zeigt jederzeit Verständnis für den Opa.
Als Niko sich nicht mehr zu helfen weiß, und seinen Vater in einem Heim anmelden will, macht sich Tilda heimlich mit dem Opa aus dem Staub. Sie erinnert sich an die Worte ihres Kinderarztes: Das wichtigste fürs Gehirn sei die Freude. Sie reist mit ihm nach Venedig, die Stadt, in der Amandus einst seine Flitterwochen verbrachte.
Einfühlsam und liebenswert
Theo Gündling denkt sich tief hinein in die Rolle des an Alzheimer erkrankten Amandus, spielt einfühlsam und liebenswert. Er kneift die Augen zusammen, sucht nach Worten, ringt mit den Händen - und mit dem Loch in seinem Gehirn. In den hellen Momenten strahlt er, dann schweift sein Blick wieder ab, ganz weit in die Ferne.
Und auch Nadine Karbacher mit strahlendem Grinsen und Kulleraugen, niedlich wippenden Zöpfen und Minney-Mouse-Shirt gibt eine wunderbare Enkelin. Sie filmt den Opa, erklärt: Wenn er gar nichts mehr wisse, werde ihn das freuen. Und der wieder nimmt ihr die Angst vor der Zukunft, kündigt an: »Wenn ich sterbe, gibt's im Himmel eine riesige Party.«
Allzu viel Sympathie für das zerstrittene Ehepaar Niko und Sarah will zunächst indes nicht aufkommen. Hier täte gut, wenn Niko ein bisschen weniger naiv, Sarah weniger zickig gezeichnet wären. Zumal die Ehekrise in der Bühnenfassung anfangs sehr viel Raum einnimmt. Das bräuchte es in dem Umfang nicht. Schöner wäre, wenn die Reise nach Venedig noch stärker im Fokus stünde.
Zugegeben, ein Roadmovie auf kleiner Theaterbühne mit nur vier Schauspielern umzusetzen, ist nicht leicht, doch die Regieansätze sind gut. Landschaft zieht auf der Leinwand wie am Zugfenster vorbei. Die Hügel der Toskana wecken Urlaubsstimmung. Und Gesprächspartner brauchen nicht sichtbar sein für eine Unterhaltung. Zumal Andy Hartmanns Bühnenbild mit zwei roll- und drehbaren, hohen Regalen flexibel gestaltbar ist.
Mit »Honig im Kopf« zeigt die Spessartgrotte, ein Theaterstück, das zugleich lachen und weinen lässt. Für das kleine Theater im Spessart, das sonst gerne auf Boulevardkomödie und Schenkelklopfer setzt, ein Stück mit außergewöhnlich viel Tiefgang.








von Inken Kleibömer vom 16. Oktober 2017

Tragikomödie über einen Verfall

"Honig im Kopf"
feierte Premiere am Theater Spessartgrotte

In einem Moment völliger Klarheit bricht sich die Verzweiflung aus Opa Amandus hervor: "Es ist scheußlich, schrecklich. Alles ist verklebt, wie durch Honig. Ich kann nicht mehr denken und schreiben." "Honig im Kopf" hieß denn auch der Film, dessen Bühnenfassung nun am Theater Spessartgrotte Premiere feierte.
Berührende Geschichte
Die Zuschauer waren von Beginn von dem Familienstück von Florian Battermann berührt, das auf dem gleichnamigen Film von Hilly Martinek und Til Schweiger basiert. Intendantin Helga Hartmann hatte das schwierige Thema Alzheimer, das heutzutage viele Menschen betrifft, behutsam bearbeitet. Die Theaterchefin lenkte die vier Darsteller sicher durch die bewegende, aber auch komische Geschichte der Familie Rosenbach. Theo Gündling verkörperte ergreifend den geistigen Verfall des Großvaters Amandus.
Dieser lebt nach dem Tod der geliebten Frau im Hause des Sohnes Niko (Michel Schäfer), was zu allerhand Problemen führt. Nikos Frau Sarah (Iris Katzer) kommt am wenigsten mit den Ausrutschern des Schwiegervaters zurecht; sie lässt ihn deutlich spüren, dass er sie nervt. Enkelin Tilda (Nadine Karbacher) liebt den Opa; sie versucht, ihn zu entschuldigen, und nimmt ihn in Schutz. Seine Erinnerungen an eine gemeinsame Venedig-Reise ziehen sich in Varianten durch das ganze Stück.
Manchmal kommt der "alte" Opa durch und will helfen. Dass dies danebengeht, ist nur für das Publikum erheiternd. So überreicht Amandus als Entschuldigung dafür, dass er Kühlschrank- mit Toilettentür verwechselt hatte, einen Rosenstrauß an Sarah. Doch die Blumen stammen aus ihrem Garten. Tilda zum Kinderarzt zu fahren, ist für den Großvater Ehrensache. Leider hat er die Funktionen der Pedale und Hebel im Auto vergessen, und sie entgehen nur mit Glück einem Unfall. Die Familie ist entsetzt, der Opa muss ins Heim. Tilda will ihn jedoch vor der Abschiebung ins Altenheim retten und reist mit ihm heimlich nach Venedig - eine abenteuerliche Reise beginnt.
Die Schauspieler waren sehr gut aufeinander eingespielt und überzeugten mit einer gefühlvollen Darstellung ohne falsche Töne. Dafür dankte ihnen das Publikum mit lang anhaltendem Beifall.


 


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