Spessartgrotte - Das Theater in Mainfranken

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Pressestimmen



von Michaela Schneider vom 7.12.2017

Von Kindern, die die besseren Erwachsenen wären

Familienstück:
Erich Kästners Klassiker »Pünktchen und Anton« in der Spessartgrotte Langenprozelten

Pünkt­chens Mut­ter kauft sich ein »spott­bil­li­ges« Kleid für 300 Mark. Und An­ton feh­len die paar Pfen­ni­ge für ein Stück Le­ber­wurst. Warum es arm und reich ge­be, fra­gen sich die Freun­de - und fin­den kei­ne sinn­vol­le Ant­wort. Erich Kästners Kinderbuch-Klassiker »Pünktchen und Anton« aus dem Jahr 1931 ist jetzt in der Spessartgrotte in Gemünden-Langenprozelten (Main-Spessart-Kreis) in einer Theaterfassung ab sechs Jahren zu sehen.
Vorausgeschickt sei gleich: Für kleinere Kinder ist die Handlung mit ihren raschen Szenenwechseln zu komplex. Dafür aber eignet sich der Theaterbesuch wunderbar für älteren Nachwuchs - und die erwachsenen Besucher sind auch sehr gut unterhalten.
Kästners Roman gilt als Gesellschaftsporträt der 1930er Jahre - auf der einen Seite ein großbürgerlicher Haushalt mit Köchin, auf der anderen Antons kranke Mutter in ärmsten Verhältnissen. Regisseurin Helga Hartmann hat sich entschieden, die Handlung tatsächlich in jene Zeit zu platzieren.
Das ist für das erwachsene Publikum charmant. Federboa und Abendkleider bringen Glanz auf die Bühne. Pünktchen trägt ein Matrosenkleidchen und wird von Nadine Karbacher reizend und kess gespielt. Ihr zur Seite steht Paul Seeger als tapferer Anton. Aus den Lautsprechern tönen Charleston und Swing der 30er. Mit Blick auf die kleinen Theaterbesucher stellt sich die Frage, ob sie sich nicht leichter täten, wenn »Pünktchen und Anton« näher an ihrer Lebenswelt spielte.
Bühnenprügeleien
Zumal die Handlung dicht ist und die Inszenierung Kästners feinsinniger, humorvoller Sprache gerecht werden will. Das gelingt, allerdings schmunzeln an vielen Stellen eher die Erwachsenen. Die Kleinen lachen über den albernen Kellner mit Clownnase und die in der Tat herrlich komische dicke Berta (beide gespielt von Iris Katzer), über Bühnenprügeleien, ein betrunken torkelndes Kindermädchen. Tatsächlich beweist gerade auch Sophie Stelker großes Talent für Bühnenhumor. In arroganter Überheblichkeit zieht sie Berta gegenüber die Augenbrauen hoch, um kurz danach ihren Verlobten Robert den Teufel (Steve Walter) schön übertrieben anzuhimmeln, völlig verwirrt dreinzublicken, als Pünktchens »blinde, bettelnde Mutter« verkleidet über die Bühne zu stolpern oder als nicht cleverer Polizist aufzutreten.
Glücklich gelöst sind mit hübschem Bühnenbild die ständigen Szenenwechsel. Trennwände in Blumengitteroptik und eine Bank wandern über die Bühne - und Pünktchen und Anton wandern vom großbürgerlichen Haushalt auf die Straße, in Antons Stube oder zum Tanzabend. Nett auch: Herr Pogges Limousine aus Pappe. Dass Kinder die besseren Erwachsenen sind, wird deutlich, als sich die Bühne in Pünktchens Traumwelt zu verwandeln beginnt. Hier der Denkanstoß für die Großen, später einer für die Kleinen, als die Freunde mit einer Metallschüssel, einer Prise Salz und einer Bank zur Ozeanüberquerung und ins große Abenteuer aufbrechen. Ohne Smartphone und Handy, aber mit Fantasie.
Zu empfehlen ist: Eltern sollten kleinere, unerfahrene Theaterbesucher vorbereiten mit Erklärungen zur Gesellschaft der 30er Jahre und einem Schnelldurchlauf durch die Romanhandlung. Dann bietet »Pünktchen und Anton« Theatervergnügen mit schöner Weihnachtsbotschaft für Familien.




 


Spessartgrotte | Leitung: Helga Hartmann | Mainuferstr. 4 | 97737 Gemünden-Langenprozelten | Tel: 0 93 51 / 34 15 |


Spessartgrotte
Mainuferstraße 4 | 97737 Gemünden-Langenprozelten | Tel.: 0 93 51 / 34 15 |